dpa-AFX: ROUNDUP: Deutsche Börse erhöht Prognose erneut - Experten nicht überrascht
ESCHBORN (dpa-AFX) - Die Deutsche Börse ist auch im dritten
Quartal dank einer Übernahme und guter Geschäfte in allen Bereichen wie erwartet
kräftig gewachsen. Das Management erhöhte zudem erneut die Prognosen für das
laufende Jahr und bestätigte seine mittelfristigen Ziele. So soll der Erlös 2024
jetzt um circa 14 Prozent auf rund 5,8 Milliarden Euro steigen. Bislang hatte
die Deutsche Börse mit mehr als 5,7 Milliarden gerechnet.
Beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) geht der
Börsenbetreiber jetzt von 3,3 bis 3,4 Milliarden Euro aus, wie er am Dienstag
nach Xetra-Schluss in Frankfurt mitteilte. Bislang hatte die Prognose bei mehr
als 3,3 Milliarden gelegen. 2023 hatte der Dax-Konzern operativ
etwas mehr als 2,9 Milliarden Euro verdient.
Für Analysten sind die neuen Ziele keine Überraschung. Sie hatten ohnehin
mit Werten in dieser Größenordnung gerechnet. Die deutlichen Zuwächse im dritten
Quartal lagen ebenfalls im Rahmen der Erwartungen. Der Kurs der
Deutsche-Börse-Aktie gab im frühen Handel um 1,75 Prozent auf 213,30 Euro nach
und entfernte sich damit etwas von ihrem vergangene Woche erreichten Rekordhoch
von 218,70 Euro.
Das Papier der Deutschen Börse hatte zuletzt auf die immer wieder starken
Quartalszahlen meist mit Kursverlusten reagiert und diese dann in den Tagen und
Wochen danach wettgemacht. Unter dem Strich gehörte die Deutsche-Börse-Aktie in
den vergangenen Jahren zu den stärksten deutschen Standardwerten. Trotz bereits
deutlicher Gewinne in den Vorjahren hat ihr Kurs in diesem Jahr erneut um fast
15 Prozent zugelegt.
Seit dem Amtsantritt des Noch-Chefs Theodor Weimer Anfang 2018 ist die
Marktkapitalisierung der Deutschen Börse um etwas mehr als 120 Prozent auf rund
40 Milliarden Euro gestiegen. Weimer gibt den Posten Ende des Jahres an Stephan
Leithner ab. Der Nachfolger tritt am Kapitalmarkt also in große Fußstapfen. Er
ist seit dem 1. Oktober Co-Chef der Deutschen Börse. Zum Jahreswechsel soll er
dann für mindestens fünf Jahre die alleinige Führung des Frankfurter
Marktbetreibers übernehmen.
Am Mittwochnachmittag stellt Leithner sich erstmals den Fragen der Analysten
- gemeinsam mit Finanzvorstand Gregor Pottmeyer. In der Mitteilung zu den
Quartalszahlen wird er folgendermaßen zitiert: "Das sehr gute strukturelle
Wachstum sowie die erfolgreiche Integration von Simcorp sind deutliche Zeichen
des Fortschritts." Er zeigte sich zuversichtlich, bis 2026 jährlich bei Umsatz
und Ergebnis zuzulegen.
Im dritten Quartal stiegen die Nettoerlöse der Deutschen Börse im Vergleich
zum Vorjahr um 18 Prozent auf etwas mehr als 1,4 Milliarden Euro. Die Hälfte des
Wachstums ging auf die Übernahme des dänischen Softwareanbieters Simcorp zurück.
Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zog um 17 Prozent auf
802 Millionen Euro an. Der Gewinn unter dem Strich stieg um 11 Prozent auf 445
Millionen Euro.
Mit einem Preis von 3,9 Milliarden Euro war Simcorp der größte Coup von
Weimer, der in seiner fast sechsjährigen Amtszeit vor allem das Geschäft mit
Daten und Softwarelösungen ausgebaut hat - unter anderem mit Übernahmen. Der
frühere HVB-Manager reduzierte damit bei dem Börsenbetreiber die Abhängigkeit
von den Schwankungen an den Finanzmärkten weiter.
"Auch wenn der Rückenwind der Hochzinsphase nachlässt, blicken wir auf ein
sehr attraktives Kerngeschäft mit weiterem deutlichem Wachstumspotenzial", sagte
Finanzvorstand Pottmeyer. Alle Sparten hätten zu dem Erfolg in den ersten neun
Monaten des Jahres beigetragen. Vor allem das Geschäft mit Rohstoffprodukten und
die Zinserträge haben seinen Worten nach die Erwartungen
übertroffen./zb/stw/jha/