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dpa-AFX: ROUNDUP: Fehlende Triebwerke machen Airbus das Leben schwer - Aktie verliert

TOULOUSE (dpa-AFX) - Der weltgrößte Flugzeugbauer Airbus
sieht sich trotz knapper Triebwerke und stockender Auslieferungen auf Kurs zu
seinen Zielen für das laufende Jahr. Obwohl in den ersten sechs Monaten nur 306
Passagierjets den Weg zu den Kunden fanden, sollen es im Gesamtjahr wie geplant
etwa 820 Stück werden, wie Airbus-Chef Guillaume Faury bei der Vorlage der
Zwischenbilanz am Mittwochabend in Toulouse bekräftigte. Auch der Gewinn soll
wie geplant steigen. Dazu trägt auch die Einigung im Zollstreit zwischen der EU
und den USA bei.

"Die jüngste politische Vereinbarung zwischen der EU und den USA, für
Zivilflugzeuge wieder einen Zollsatz von null einzuführen, ist eine willkommene
Entwicklung für unsere Branche", sagte der Airbus-Chef. Die Vorstellung, dass
bereits seit Jahren bestellte Jets auf einen Schlag 20 Prozent teurer werden
könnten, hatte Hersteller und Fluggesellschaften im Frühjahr in Schrecken
versetzt.

Daher hat die Airbus-Spitze bei ihren Geschäftsplänen mögliche Folgen von
Zöllen ausgeklammert. Dies bleibt auch so. Doch die Einigung dürfte es dem
Konzern erleichtern, in diesem Jahr wie geplant einen bereinigten operativen
Gewinn (bereinigtes Ebit) von etwa 7 Milliarden Euro zu erzielen. Der
Mittelzufluss soll vor Kundenfinanzierungen dann 4,5 Milliarden Euro erreichen.
Doch in der ersten Jahreshälfte flossen wegen der stockenden Auslieferungen
unter dem Strich 1,6 Milliarden ab.

Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten nach einem anfänglichen Kurssprung mit
leichten Kursverlusten quittiert. Am Donnerstagnachmittag lag die Airbus-Aktie
zuletzt mit 0,3 Prozent im Minus und gehörte zu den schwächeren Titeln im Dax
. Damit wurde sie aber immer noch rund 15 Prozent teurer gehandelt
als zum Jahreswechsel.

Branchenexperte Ian Douglas-Pennant von der Schweizer Großbank UBS wertete
die Aussagen des Managements zur aktuellen Produktion zwar als ermutigend.
Anleger an der Börse könnten es jedoch kritisch sehen, dass das diesjährige
Lieferziel extrem vom vierten Quartal abhängig sei, schrieb er. Das Gesamtbild
des Berichts sei daher neutral.

Im zweiten Quartal lief es für Airbus im Tagesgeschäft besser als gedacht.
Der Umsatz stagnierte zwar bei knapp 16,1 Milliarden Euro. Der bereinigte
operative Gewinn verdoppelte sich jedoch nahezu auf knapp 1,6 Milliarden Euro,
nachdem er ein Jahr zuvor wegen hoher Sonderkosten in der Raumfahrtsparte
eingebrochen war. Diesmal schnitt Airbus besser ab als von Analysten im Schnitt
erwartet.

Unter dem Strich verdreifachte sich der Gewinn von 230 auf 732 Millionen
Euro. Allerdings schlug der zuletzt stark schwankende Dollarkurs negativ zu
Buche, weil Airbus den Umsatz und die Produktionskosten für ein und dasselbe
Flugzeug zu unterschiedlichen Zeitpunkten verbucht. Über längere Zeit gleichen
sich diese Schwankungen wieder aus.

Zu schaffen machen Airbus die Lieferprobleme der wichtigsten
Triebwerkshersteller. Der Konzern produziere so viele neue Maschinen wie
geplant, könne sie wegen fehlender Turbinen aber erst mit Verzögerung an seine
Kunden ausliefern, sagte Faury am Abend in einer Telefonkonferenz mit
Journalisten. Die Auslieferungen dürften sich daher wieder einmal vor dem
Jahresende ballen.

So stünden bei Airbus derzeit rund 60 fertige Flugzeuge herum, denen nur
noch die Triebwerke fehlten, sagte Faury. Er erwarte, dass die Triebwerksbauer
ihre Lieferversprechen in der zweiten Jahreshälfte einhielten. Dann sollte die
Zahl dieser sogenannten "Segelflugzeuge" vor den Airbus-Werken bis Ende des
Jahres auf null sinken.

Betroffen ist ausgerechnet die meistgefragte Airbus-Modellfamilie, die
Mittelstreckenjets der A320neo-Familie samt ihrer neuen Langstreckenversion
A321XLR. Bei ihnen kommen wahlweise die Leap-Antriebe von CFM zum Einsatz, einem
Gemeinschaftsunternehmen von GE Aerospace aus den USA und Safran
aus Frankreich - oder die Getriebefan-Antriebe der RTX-Tochter
Pratt & Whitney, an der auch der Münchner Triebwerksbauer MTU
mitarbeitet.

Vor allem CFM hänge nach einem Streik in Frankreich bei den Lieferungen
hinterher, sagte Faury. Auch Pratt & Whitney arbeite hart daran, Rückstände aus
einem Streik aufzuholen. Zudem macht dem Hersteller der Rückruf tausender
Turbinen zu schaffen, bei deren Fertigung er ein mangelhaftes Pulvermetall
verwendet hatte.

Unterdessen hält Faury an seinem Ziel fest, die Produktion der
A320neo-Familie bis zum Jahr 2027 auf 75 Jets pro Monat auszuweiten. Denn Airbus
sitzt seit Jahren auf prallen Auftragsbüchern; die Produktion der
A320neo-Familie ist bis ins nächste Jahrzehnt ausgebucht. Der einzig relevante
Konkurrent Boeing aus den USA hängt mit seinem Konkurrenzmodell
737 Max wegen hausgemachter Probleme derart hinterher, dass Fluggesellschaften
in aller Welt verzweifelt auf neue Maschinen warten.

Unterdessen zieht auch die Nachfrage nach den Großraumjets vom Typ Airbus
A330neo an, die über längere Zeit recht dünn ausgefallen war. Deshalb will Faury
deren Produktion bis zum Jahr 2029 von vier auf fünf Maschinen pro Monat
hochfahren. Für das größte Airbus-Modell A350 peilt Faury weiterhin eine
Monatsrate von zwölf Jets für das Jahr 2028 an, und vom kleinsten Airbus-Typ
A220 sollen schon ab 2026 monatlich 14 Maschinen pro Monat fertig werden.

Dass es nicht schneller geht, liegt auch an Problemen des Zulieferers Spirit
Aerosystems , der früheren Rumpfbau-Sparte von Boeing. Der
US-Konzern kauft seine einstige Tochter wieder zurück, und Airbus übernimmt in
diesem Zuge Werke und Arbeitspakete von Spirit. Diese Übernahme verschiebe sich
wegen behördlicher Genehmigungen nun voraussichtlich ins vierte Quartal, teilte
Airbus mit./stw/bek/jha/

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