Marketingmitteilung

OLB Marktfocus

Ausgabe vom 30. Mai 2022

Ukraine-Russland-Krieg: Hängepartien setzen sich fort…

Es ist wie es zu befürchten war. Der Krieg in der Ukraine entwickelt sich zu einer Hängepartie und einem scheinbar endlosen hin-und-her. Auch nach über 3 Monaten gibt es keine entscheidenden Fortschritte, weder auf den Kriegsfeldern noch am Verhandlungstisch. Es ist davon auszugehen, dass der Krieg noch weitere Monate andauern wird. Da der Konflikt bereits seit 2014 „schwelte“, war eigentlich auch nichts anderes zu erwarten gewesen, allerdings hatten ALLE irgendwie gehofft, dass es doch eine „schnelle“ Lösung geben könnte. Nichts da! Die Fronten bleiben verhärtet. Russlands Außenminister Sergej Lawrow nennt die Einnahme des Donbass weiterhin eine „bedingungslose Priorität". Russland erkennt somit Donezk und Luhansk bereits als unabhängige Staaten an. Die anderen Teile der Ukraine sollten selbst über ihre Zukunft entscheiden, sagte Lawrow in einem Interview dem französischen Sender TF1. Nichts Neues. 

Allerdings bleibt festzustellen, dass die Welt bzw. insbesondere Europa mittlerweile gelernt hat mit dem Kriegsszenario zu agieren. Er ist in gewisser Weise Normalität geworden und die Berichte aus den Kriegsgebeten in Europa schrecken nicht mehr ab. Es ist zu beobachten, dass nach und nach sich auch die Sendezeitanteile im Fernsehen insbesondere in den Nachrichtensendern wieder verändern und „auch mal wieder“ andere Themen in den Fokus rücken. Allerdings bleibt der Krieg in der Ukraine das Damoklesschwert für Europa. Die Situation in Europa scheint unter Kontrolle, aber die Gefahr bleibt sichtbar und eine Eskalation ist immer noch jederzeit möglich. Hängepartie Nr. 1.

NATO-Beitritt von Schweden und Finnland: Putin akzeptiert, aber Erdogan blockt! 

Auch hier droht eine Hängepartie, da Beitritte nur mit Zustimmung aller bisherigen NATO-Mitgliedern möglich sind. Die Türkei blockt weiterhin, da Präsident Erdogan die türkischen Interessen in Gefahr sieht. Trotz vieler Gespräche konnte hier in den letzten Tagen auch kein Fortschritt erzielt werden. Präsident Erdogan begründet seine negative Haltung gegenüber Schweden und Finnland mit fehlenden Schritten und Maßnahmen der Beitrittskandidaten bei der Terrorbekämpfung. Er bezeichnet beide Länder weiterhin als „Keim- und Schutzzellen für Terroristen! Insbesondere wirft er den beiden Ländern die Unterstützung der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vor und fordert die Auslieferung von Türkeikritikern, die in Schweden und Finnland leben sollen. Eine ebenfalls scheinbar aussichtslose Situation, da die Türkei nicht ohne großzügiges Entgegenkommen seine Meinung ändern wird. Hängepartei Nr. 2.

Energie-Embargo gegen Russland stockt weiter

Derweil geht der Streit um das Energie-Embargo der EU geht weiter und eine Lösung ist nicht in Sicht. Aktuell sollen zunächst nur die Verträge für das auf dem Seeweg transportierte Öl auslaufen, während das über Pipelines transportierte Öl ausgenommen bleibt. Die Fristen für einen EU-Importstopp gehen mittlerweile so stark auseinander, dass es kaum mehr hilfreich erscheint (min. 6 Monate Vorlauf für die EU-Staate, wobei Ungarn und die Slowakei sogar 20 Monate Vorlaufzeit bekommen sollten). Eine halbherzige Diskussion und Entscheidungsbasis, da Russland damit vorerst seine Geschäfte, insbesondere in Ungarn, der Slowakei, Tschechien, Polen und Deutschland unvermindert fortführen kann. Das Öl und somit der „Rubel würde weiter rollen“, was gleichbedeutend mit der Kriegsfinanzierung durch die EU ist. Hängepartie Nr. 3.

Waffenlieferungen aus Deutschland kommen nicht voran

Auf der einen Seite wird weiterhin Handel mit Russland betrieben, auf der anderen Seite die Ukraine mit Waffen beliefert. Ein zweitschneidiges Schwert. Allerdings macht sich die Bundesregierung weiterhin keinen guten Namen als zuverlässiger Partner in Krisenzeiten. Die mehrfach versprochenen deutschen Waffenlieferungen (als Rundtausch mit NATO-Partnern) verzögern sich weiter. Hängepartie Nr. 4.

Unsicherheit bleibt allgegenwärtig

Insgesamt scheint es zwar „Licht am Ende des Tunnels“ zu geben, allerdings ist dieses noch sehr schwach erkennbar. Viele Themen hängen zusammen und voneinander ab. So hält der Präsident des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) Siegfried Russwurm sogar einen Anstieg der Exporte Deutschland um über 2% im laufenden Jahr für möglich. Dies allerdings nur, wenn die Lieferkettenprobleme in der zweiten Jahreshälfte gelöst werden und es kein Energie-Embargo gibt. Ansonsten würde das Wachstum stocken und die Wirtschaft in eine Rezession laufen. Positiv stimmen aktuell die positiven Nachrichten aus China, denn dort hat die Metropolregion um Shanghai endlich wieder Lockerungen der strikten Corona-Maßnahmen angekündigt. Die Lage stabilisiert sich zunehmend und somit auch die Chance auf eine Normalisierung der Handelswege Richtung Europa. Die Lieferengpässe könnten somit kontinuierlich abnehmen und die Konjunktur wieder anschieben. 

Für die weltweiten Kapitalmärkte und insbesondere die europäischen Börsen wäre das eine gute Aussicht für die Woche bedeuten und vielleicht auch die erwartete Trendwende im laufenden Jahr im Hinblick auf die Normalisierung der Handelswege. Diese Wiederaufnahme der Handelsströme aus Richtung China nach dem fast 3 Monate dauernden Lockdown könnte damit die Ausfälle aufgrund des Russland-Ukraine-Krieges kompensieren sowie die Folgen für die globale Konjunktur abmildern bzw. kalkulierbarer machen. Insgesamt haben sich damit die konjunkturellen Aussichten wieder verbessert und auch der Wochenstart beginnt mit der Fortsetzung der freundlichen Stimmung an den Aktienmärkten.

Es scheint, als wenn das „Licht am Ende des Tunnels“ nun heller wird…

Hinweis zu dieser wöchentlichen Publikation: Aufgrund der Normalisierungstendenzen mit wenigen neuen wöchentlichen Entwicklungen finden Sie zukünftig unsere Einschätzungen und Kommentare in unseren monatlichen Kapitalmarktberichten. Diese erhalten Sie in unseren Filialen oder auf unserer Homepage. 

Ausgabe vom 23. Mai 2022

Kriegsrecht in der Ukraine wird bis Ende August verlängert

Mit diesem Schritt der ukrainischen Regierung ist klar, dass der Krieg und somit die Unsicherheit in Europa noch bis mindestens Ende August dauern wird. Seit Kriegsbeginn erfolgte eine Verlängerung durch Präsident Selenskyi immer nur für maximal 30 Tage, woraus man schließen kann, dass auch die ukrainische Regierung aktuell nicht mehr ein schnelles Ende der Kriegshandlungen erwartet. Einziger Hoffnungsschimmer bleibt, dass immer wieder über ein Treffen der beiden Präsidenten spekuliert wird. Wie schon häufig in den letzten Wochen. Eine Hinhaltetaktik? Wohl leider wieder wahrscheinlich. Insbesondere beim Blick auf die vergangenen Wochen und die weiterhin sehr unterschiedlichen Erwartungen der beiden Kriegsparteien dürfte selbst ein Präsidententreffern wenig Chance auf eine konstruktive Lösung des Konfliktes bieten. Somit bleibt zunächst alles unverändert. Viele Menschen sterben, das Land wird verwüstet und die humanitäre Situation spitzt sich weiter zu mit weiterhin kaum einschätzbaren Auswirkungen auf viele unbeteiligte Regionen in der ganzen Welt. 

NATO-Beitritt von Schweden und Finnland: Putin akzeptiert! 

Immerhin scheint eine weitere Eskalation aufgrund des bevorstehenden NATO-Beitritts der beiden skandinavischen Länder auszubleiben. Am Wochenende hat der russische Präsident signalisiert, dass er es akzeptieren kann, wenn Finnland und Schweden der NATO beitreten, solange in diesen Ländern keine NATO-Stützpunkte und Atomraketen eingerichtet werden. Allerdings bleibt der Beitritt dennoch unsicher. Der türkische Präsident Erdogan betont weiter bei jeder Gelegenheit seine ablehnende Haltung. Womöglich nur ein Schachzug, um von der Gemeinschaft Gegenleistungen für sein Land zu bekommen.

Energiepreise weiter im Fokus – Kapitalmärkte bleiben daher auch in dieser Woche schwankungsanfällig

Die Sorgen hinsichtlich der weiteren Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine und der Folgen auf die Realwirtschaft bleiben weiterhin die bestimmenden Themen. Die Weltwirtschaft leidet zunehmend unter den Lieferengpässen, die durch die aktuellen Corona-Lockdowns in China immer noch verstärkt werden. Die daraus folgenden Preissteigerungen (Inflationsentwicklung) schlagen immer stärker auch auf die Produzentenpreise durch und verteuern die Preise für Endverbraucher. Hinzu kommt die weiterhin latente Risikolage im Hinblick auf die zukünftige Energie- und Nahrungsmittelversorgung, die keineswegs komplett gesichert ist. In dieser Woche plant Kanzler Scholz neue Verhandlungen in Afrika über die Lieferung von Energieträgern. Hierbei geht es zum Auftakt der Afrikareise u.a. im Senegal über die Zusammenarbeit bei erneuerbaren Energiequellen, aber auch Hilfen für die Erschließung von Gasvorkommen im Senegal mit anschließender Lieferung nach Deutschland. 

In Deutschland zum Beispiel sind die Produzentenpreise im April weiter kräftig gestiegen und erhöhten sich im Jahresvergleich um über +30%, was den stärksten Preisanstieg seit 1949 darstellt (dem Beginn der Datenerfassung). Die Energiepreise erhöhten sich insgesamt um über +80% (Erdgas sogar um über +150%).

Diese Gesamtlage bei den Energiepreisen bleibt daher ein unveränderter Risikofaktor und verunsichert die Marktteilnehmer zunehmend, speziell auch im Hinblick auf das immer stärkere Gegensteuern der wichtigsten Notenbanken der Welt, um die Risiken für die globale Wirtschaft einzugrenzen. Auf dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G7 wurden daher schnelle und entschlossene Maßnahmen der Zentralbanken gefordert. Eine erste Zinserhöhung der EZB im Juli rückt damit näher. Somit werden nicht nur die Zinsen weiter steigen, sondern auch die Finanzierung für Unternehmen („Geldbeschaffung“) wird sich aufgrund der Verknappung der Liquidität durch die Notenbanken zunehmend verteuern. Die Themen „Lohn-Preis-Spirale“, „Stagflation“ „und „Rezession“ sind somit noch lange nicht vom Tisch. 

Aktienmärkte uneinheitlich erwartet – Konjunkturzahlen im Fokus

Zum Start in die neue Woche lassen sich zumindest von Corona-Front in China leichte Entspannungen erwarten, denn dort wurden erste Lockerungen in Shanghai aufgrund fehlender Neuinfektionen in Aussicht gestellt. Dies dürfte positive Auswirkungen in Form von einer gewissen Erleichterung bedeuten, auch wenn konjunkturell die Lieferengpässe damit nicht von heute auf morgen aufgelöst werden. Auf Sicht immerhin ein Lichtblick, auch wenn am Montag die Vorgaben noch etwas schwächer tendierten. Aus Japan kommen dagegen leicht positive Signale, trotz der anhaltenden Konjunktursorgen. Die japanische Börse konnte im frühen Handel am Montag leicht zulegen. Die Woche dürfte aber im Fokus der Entwicklung der US-Börse stehen, denn dort warten die Marktteilnehmer auf Reaktionen im Hinblick auf die zuletzt stärker aufkommenden Rezessionssorgen und die Befürchtung, dass eine zu aggressive Straffung der US-Geldpolitik durch die Notenbank Fed die Konjunktur abwürgen könnte. In den nächsten Tagen stehen zusätzlich richtungsweisende Daten zur Entwicklung der Konjunktur an. In den USA erfolgt die Berichterstattung zu den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion im April sowie die Veröffentlichung des „NAHB Wohnungsmarktindex“ und der Baugenehmigungen im April an. In Europa wird das ausführliche Protokoll der letzten EZB-Sitzung vom 14. April erwartet und dadurch detailliertere Rückschlüsse auf die weitere Geldpolitik der EZB in den nächsten Wochen. Weiterhin werden detaillierte Daten zur Entwicklung der Verbraucherpreise in Europa und Großbritannien im Fokus stehen und die Veröffentlichung der Entwicklung der Bruttoinlandsprodukte im 1. Quartal 2022. Hier werden in dieser komplexen Marktphase weiterhin positive Vorzeichen erwartet! 

Insgesamt suchen Investoren weiter nach Anhaltspunkten für die zukünftige Positionierung. Zuletzt hat die Abwärtsdynamik an den Aktienmärkten merklich abgenommen in Verbindung mit vielen positiven Unternehmensnachrichten. Dies deutet insgesamt darauf hin, dass viele negative Szenarien tatsächlich mittlerweile eingepreist sein könnten und sich die Kapitalmärkte in einer breiten Bodenbildung befinden. Die Aussichten für die Kapitalmärkte, insbesondere für die Aktienmärkte, sind nicht so schlecht, wie es die Bilder auf der Ukraine erwarten lassen. Auf den aktuellen Konjunktur- und Unternehmensnachrichten lässt sich aufbauen und eine positive Wochenentwicklung erwarten…

Ausgabe vom 16. Mai 2022

Und täglich grüßt das Murmeltier

Beim Blick auf die Tagespresse wiederholen sich Tag für Tag die Nachrichten aus der Ukraine. Es gibt keine entscheidenden Entwicklungen in die eine oder andere Richtung. Der Krieg droht zur Normalität zu werden. Russland scheint sich immer weiter von seinen Zielen zu entfernen und geht immer härter gegen militärische, aber auch zivile Ziele vor, wenn man den Berichten der Kriegsberichterstattung trauen kann. Für das Land und die Menschen in der Ukraine bleibt die humanitäre Katastrophe im Fokus, da es militärisch hin-und-her geht. Der Osten der Ukraine bleibt stark umkämpft. Beide Seiten berichten weiterhin über eigene Fortschritte und Erfolge. Die Wahrheit ist allerdings nicht feststellbar und somit bleibt auch eine Einschätzung unmöglich, wann und wie der Krieg beendet werden kann. Es droht eine Hängepartie mit anhaltender Unsicherheit für ganz Europa und die internationalen Kaptalmärkte.

NATO-Beitritt von Schweden und Finnland immer wahrscheinlicher 

Während der Krieg in der Ukraine weiter tobt, wollen Schweden und auch Finnland unter den Schutzschirm des westlichen Verteidigungsbündnisses schlüpfen. Beide Regierungen sprachen sich am Wochenende bereits dafür aus und wollen kurzfristig einen offiziellen Antrag stellen. Der Beitritt würde eine weitere Osterweiterung der NATO bedeuten und Russland möglicherweise weiter provozieren, wie Präsident Putin in der Vergangenheit häufig klargestellt hatte. Die Reaktion Russland auf diese Entwicklung bleibt abzuwarten, dürfte aber für weitere Unruhe sorgen, auch wenn es für die westlichen Länder auf dem Papier bzw. der Landkarte ein mehr an Sicherheit bedeuten würde. Allerdings ist die Aufnahme noch nicht sicher, denn die Annahme bleibt von der Zustimmung aller aktuellen NATO-Mitgliedsstaaten abhängig. Zumindest die Türkei sprach sich bisher dagegen aus, während die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock nach einem NATO-Treffen in Berlin sagte, dass man die beiden Länder mit offenen Armen empfangen werden. Auch hier bisher keine klare Entscheidung.

Kapitalmärkte uneinheitlich erwartet – Energie- und Rohstoffe bleiben im Fokus

In der vergangenen Woche standen weiterhin die hohen Inflationsraten aufgrund der hohen Energie- und Rohstoffpreise im Fokus der Anleger. Dies wird sich auch in dieser Woche nicht verändern und dürfte sich sogar durch die sich ausweitende Corona-Belastung in China eher verstärken. Insbesondere die Null-Covid-Strategie der chinesischen Regierung sorgt für starke Belastungen und weitere Lockdowns in China. Dies wurde zuletzt durch eine schwächelnde Industrieproduktion in China bestätigt. Aufgrund der Wichtigkeit der chinesischen Exporte für die Weltwirtschaft ist damit, insbesondere aufgrund der gestörten Lieferketten (z.B. durch die andauernde Schließung von chinesischen Häfen), mit zunehmenden Belastungen für andere Volkswirtschaften zu rechnen. An den Kapitalmärkten ist daher weiterhin mit höheren Schwankungen und Belastungen insbesondere bei Industrieunternehmen zu rechnen. Die weltweite Verunsicherung auf vielen Ebenen zeigte sich auch an den zuletzt veröffentlichten Zahlen der Uni Michigan zur US-Konsumentenstimmung, die auf den tiefsten Stand seit 2011 gesunken ist. Als Motor der Weltwirtschaft trüben sich damit auch die Aussichten für die US-Wirtschaft weiter ein. 

Keine Trendwende – Value interessanter als Growth – Wochenvorgaben für Aktien seitwärts 

Die Trends der letzten Wochen bleiben somit auch in dieser Woche intakt und setzen sich fort. Neben den Industrieunternehmen leiden weiterhin Wachstumsaktien (Growth) unter den höheren Bewertungen, da die zukünftigen Gewinne durch die steigenden Zinsen nach unten revidiert werden und zusätzlich durch schwächelndes Wirtschaftswachstum belastet werden, d.h. es die Wachstumsraten der Vergangenheit werden voraussichtlich nicht mehr erreicht. Im Vergleich mit dem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) an den internationalen Kapitalmärkten von Substanzwerten (Value) in Höhe von ca. 10, zeigen Wachstumsaktien, trotz der bereits erfolgten Korrekturen, immer noch ein KGV von über 20. Wachstumsaktien bleiben damit deutlich teurer und vor dem Hintergrund der abnehmenden Wachstumsdynamik der Konjunktur unattraktiver. Die Vorgaben für den Wochenstart der Aktienbörsen aus Asien und den USA sind seitwärts gerichtet - immerhin keine negativen Vorzeichen. Nach mehreren Verlustwochen konnte der deutsche Aktienmarkt am Freitag wieder eine positive Wochenentwicklung erreichen und somit bleibt die berechtigte Hoffnung auf Fortsetzung der Bodenbildung und dass mittlerweile viele der möglichen negativen Szenarien, wie eine zeitweise Rezession, eingepreist sein könnten. Der Blick in der aktuellen Woche bleibt auf viele Unternehmensberichte (über 40) in den USA und in Europa gerichtet. Diese werden dann hoffentlich einen besseren Einblick zu den Auswirkungen der aktuellen geopolitischen Krisen auf die Unternehmensgewinne geben und eine bessere Einschätzung der Chancen an den Aktienmärkten ermöglichen.

Ausgabe vom 09. Mai 2022

Der 09.Mai – der 75. Tag – Tag der Entscheidung?

An der Kriegsfront in der Ukraine wohl kaum. An der Propagandafront ist für heute viel zu erwarten. Es bleibt aber nur die Hoffnung, dass in dieser Woche die Vernunft siegen wird. Es ist anzunehmen, dass Präsident Putin ganz große Propaganda anstreben wird und die Wahrheit keine Rolle spielen wird. Für die gesamte Welt wird es zunehmen unangenehmer, dass die Fronten zwischen Ost und West immer größer werden. Nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich. 

Während in Moskau eine große Militärparade abgehalten wird, toben derweil die Kampfhandlungen im Osten der Ukraine unvermindert weiter. Eine weiterhin schwierige und unübersichtliche Situation, da die Richtung der angekündigten „Rede zur Nation“ von Präsident Putin für den weiteren Wochenverlauf von entscheidender Bedeutung sein dürfte. Insgesamt dürften die Fronten der beiden Kriegsparteien auch in dieser Woche verhärtet bleiben. Es bleibt somit die Hoffnung, dass Präsident Putin den heutigen 09.Mai nutzt, um seiner Bevölkerung einen Sieg zu „verkaufen“, der außerhalb der russischen Propaganda allerdings keiner ist. Es gilt die Kampfhandlungen zu beenden, da es seit Kriegsbeginn nur Verlierer, in Ost, wie in West gibt. Das wahrscheinlichste Szenario bleibt allerdings, dass es kein Ende der Kampfhandlungen geben wird und somit auch die Unsicherheit an den internationalen Kapitalmärkten in dieser Woche hoch bleiben wird. 

Rede an die Nation von Kanzler Scholz 

Die groß angekündigte „Rede an die Nation“ von Bundeskanzler Scholz am Sonntag war eher die Kategorie “ernüchternd”. Es war eher ein Bericht über Dinge, die NICHT-gemacht werden. Lösungsansätze, für Menschen in Deutschland in Verbindung mit den aktuell hohen Preissteigungen und vieler Lieferengpässe, Fehlanzeige. Schon der Sendezeitpunkt, der zeitgleich mit den ersten Prognosen der Landtagswahlen gesetzt wurde, war unglücklich. Nur die Grünen konnte in Schleswig-Holstein um wenige Prozentpunkte zulegen, während die SPD über 11% und die FDP über 5% der Wählerstimmen gegenüber der letzten Wahl verloren. Klarer Gewinner ist die CDU als Oppositionsführer im Bund. Diese kann mit dem besten Ergebnis seit 40 Jahren sich nun den Junior-Partner aussuchen, da es für eine absolute Mehrheit nur knapp nicht reichte. Eine weitere Niederlage für Kanzler Scholz. 

G7 einigt sich auf Öl-Import-Stopp – allerdings erst in ca. 6 Monaten!

Die G7-Länder haben sich auf einen geschlossenen Ausstieg aus dem Bezug von russischem Öl geeinigt. Für Russland bedeutet dies, dass eine der Haupteinnahmequellen für die russische Wirtschaft und somit auch für die Finanzierung des Krieges in der Ukraine versiegt – allerdings erst in 6 Monaten. Diesen Vorlauf benötigt die Staatengemeinschaft, um für Ersatzlieferwege zu sorgen. Für die Ukraine bzw. für die Ostukraine als Hauptziel der russischen Offensive, dürfte dies wahrscheinlich zu spät kommen. Zusätzlich wurden weitere Sanktion gegen Russland angekündigt. Insbesondere kündigte US-Präsident Biden an, dass nun auch US-Unternehmen keine Dienstleistungen mehr für russische Personen oder Unternehmen erbringen dürfen. Der Kalte Krieg setzt sich fort und führt zu immer mehr De-Globalisierung und stärkerer Regionalisierung. 

Unsicherheit geht damit mit den gleichen Themen in die nächste Woche

An den Kapitalmärkten dürfte insgesamt der Ölpreis, aufgrund des angekündigten Öl-Import-Stopps der G7, weiter höher tendieren. Eine Normalisierung bzw. eine Vergünstigung der Energiekosten ist somit zunächst nicht zu erwarten. Ebenso die Corona-Lage in China in Verbindung mit den anwachsenden Lieferengpässen bleiben ein unveränderter Belastungsfaktor. Chinas Lockdown-Politik drückt damit weiter auch auf die Gewinne der deutschen Unternehmen. Die Auswirkungen der geschlossenen chinesischen Häfen werden dabei allerdings erst in einigen Wochen sichtbar werden, d.h. wenn Schiffslieferungen ausbleiben und Vor- oder Fertigprodukte bei deutschen Unternehmen oder Verbrauchern fehlen werden. Dies könnte nochmals die Preise für bestimmte Produkte in die Höhe treiben bzw. ein Absinken der Inflation verhindern. In diesem Marktumfeld bleiben die Aussichten auch für Aktien in dieser Woche uneinheitlich und volatil. 

Positiv ist, dass das Ende der Pandemie in Deutschland bzw. die Lockerungen in vielen Ländern zu ausgelasteten Arbeitsmärkten und zunehmenden (Nachhol-)Konsum von privaten Haushalten in den letzten Wochen geführt haben. Die Wachstumsaussichten sind in den westlichen Ländern also gar nicht so schlecht. 

Allerdings bleibt die Inflation das alles bestimmende Thema. Es geht um den Erhalt der Kaufkraft. Die seit Jahresbeginn zwar stark gestiegenen (Nominal-)Zinsen führen zwar zu höheren Rendite für Rentenanlagen bei Neuinvestments, aber insgesamt dennoch zu einem Verlust, da die Zinseinnahmen die aktuellen Preissteigerungen nicht ansatzweise auffangen können. Rentenanleger dürfen sich weiterhin nicht von den höheren (Nominal-)Zinsen täuschen lassen, sondern müssen immer die Realzinsen (Zins minus Inflation) und damit die Kaufkraft im Auge behalten. 

Kaufkraft bzw. die Realzinsen im Auge behalten – Krise aber als Chance!

Die geopolitischen Unsicherheiten bleiben weltweit unverändert hoch und sind insbesondere mit der Entwicklung der Inflationsrate und den Entwicklungen in der Ukraine verknüpft. Diese Lieferengpässe in Verbindung mit der Ukraine-Krise werden somit in den nächsten Wochen für einen weiteren Preisauftrieb (Inflation) sorgen. Sachwerte bleiben damit der wichtigste Baustein und aktuell günstig. Energie-, Rohstoff- und nicht-zyklische Unternehmen profitieren weiter von den aktuellen Entwicklungen. Insgesamt bleiben damit (Qualitäts-)Aktien im Blick. Gerade strategisch und längerfristig ausgerichtete Investoren können aktuell wieder auf Schnäppchenjagt an den Aktienmärkten gehen. An den Rentenmärkten dürfte sich insgesamt die Kursschwäche (steigenden Zinsen) anhalten. Die aktuellen Risikoaufschläge („Spreads“) gegenüber Staatsanleihen lassen Unternehmensanleihen schlechterer Bonität kaum attraktiv erscheinen. Anleger sollten weiterhin auf kurze Laufzeiten (kurze Duration) setzen. 

Auf der konjunkturellen Seite stehen diese Wochen einige möglicherweise richtungsweisende Zahlen an. In den USA wird über die Entwicklung der Im- und Exportpreise, der Arbeitskosten (Erzeugerpreise) und Arbeitsmarktdaten (Erst- und Folgeanträge für Arbeitslosenhilfe). Diese könnten Annahmen über die weitere Inflationsentwicklung in den USA verdeutlichen. In Deutschland und für Europa werden die Konjunkturerwartungen der ZEW erwartet. Diese könnten etwas mehr Aufschluss auf die Auswirkungen der geopolitischen Lage auf die Unternehmen, aber auch auf die Stimmung der Verbraucher geben. 

Insgesamt bleibt die Unsicherheit bestehen, aber immerhin zeichnet sich eine Bodenbildung ab…

 

Ausgabe vom 02. Mai 2022

Stabilisierung auf tiefem Niveau, aber Öl-Embargo droht

Auch im Mai kein anderes Bild in der Ukraine. Die Kämpfe gehen unvermindert weiter. Währenddessen laufen verschiedene Evakuierungsversuche der ukrainischen Seite und internationalen Hilfsorganisationen. Eine weiterhin sehr schwierige und unübersichtliche Situation. Die Kriegsparteien kommen sich auch Anfang Mai keinen echten Schritt näher in Richtung Waffenstillstand oder Frieden. Die gegenseitigen Vorwürfe nehmen derweil eher zu als ab. Während der ukrainische Präsident Selenskyj die Kriegsstrategie Russlands als sinnlos bezeichnet, macht mittlerweile Russlands Außenminister Lawrow erneut die USA für den Krieg in der Ukraine verantwortlich. Es bleibt, wie es war, Russland steht international immer isolierter dar und schlägt daher immer stärker verbal um sich. Eine wichtige Wende gibt es Anfang Mai dennoch, denn die Bundesregierung unterstützt nun doch den Import-Stopp für russisches Öl innerhalb der europäischen Gemeinschaft. Diese wird in dieser Woche ein 6. Sanktionspaket gegen Russland diskutieren und wohl zeitnah auf den Weg bringen. Nach den Aussagen der Bundesregierung ist Deutschland nur noch zu ca. 12% von russischen Öl-Lieferungen abhängig.

6. Sanktionspaket bringt wohl doch einen Öl-Import 

Die Stimmung an den internationalen Kapitalmärkten bleibt damit weiter angespannt. Nicht nur weil es in der Russland-Ukraine-Krise keine nennenswerten Annäherungen der Kriegsparteien gibt, sondern auch weil es immer mehr Anzeichen für eine länger anhaltende und eingetrübte Konjunkturlage gibt. Diese würde durch ein Öl-Embargo weiter verstärkt. Zusätzlich belasten seit einigen Wochen neue Nachrichten zur immer stärkeren Ausbreitung des Corona-Virus in China die weltweiten Märkte. Die dortige Welle von neuerlichen Lockdowns aufgrund der chinesischen „Null-Covid-Politik“ führt zu einer weiteren Verstärkung der globalen Lieferengpässe. Insbesondere die Corona-bedingte Schließung des weltweit größten Hafens in Shanghai wirkt aktuell wie ein „Brandbeschleuniger“. An eine Auflösung der chinesischen Lockdowns ist vorerst nicht zu denken, eher an eine nochmalige Ausweitung. Diese Lieferengpässe in Verbindung mit der Ukraine-Krise werden somit in den nächsten Wochen für einen weiteren Preisauftrieb (Inflation) sorgen. Die hohe Nachfrage nach Rohstoffen, aber auch nach Vor- oder Fertigprodukten, trifft daher auf ein immer kleiner werdendes Angebot aufgrund ausfallender Produktionen oder gestörter Lieferketten. Insgesamt verschlechterte sich die Kapitalmarkt- und Konjunkturstimmung in den letzten Wochen merklich. Die weiter rückläufigen „Erwartungen“ signalisieren sogar, dass das Ende der Fahnenstand noch nicht erreicht scheint und in den nächsten Wochen mit weiteren „Enttäuschungen“ zu rechnen sein dürfte. Dieses drückte sich auch im Ifo-Geschäftsklimaindex aus, der sich im April zwar leicht aufgehellt hat (auf 91,8), damit allerdings den deutlichen Einbruch vom März nicht ansatzweise kompensieren konnte. Als Interpretation bleibt aktuell nur die Aussage: „Stabilisierung auf tiefem Niveau!“. Eine nachhaltige Trendwende ist aktuell somit noch nicht erkennbar.

Aktuell veröffentlichte Konjunkturzahlen beinhalten die Gefahr von neuen Enttäuschungen 

In der kommenden Woche richtet sich das Augenmerk auf viele verschiedene konjunkturell richtungsweisende Zahlen. Neben detaillierteren Inflationszahlen aus der Eurozone und Deutschland folgen verschiedene Stimmungsindikatoren und Einzelhandelsdaten aus der Eurozone. In Deutschland werden die Im- und Exportdaten, die Entwicklung der Handelsbilanz und der Industrieproduktion erwartet. Hierbei geht es um die Frage, ob und wie stark eine mögliche Rezession in Deutschland eintreten wird. Bisher berichten die Unternehmen überwiegend von vollen Auftragsbüchern, guter Produktionsauslastung und soliden Gewinnen im ersten Quartal 2022. Ebenso stehen die Produzentenpreise im Blickpunkt, die zuletzt insbesondere durch die hohen Preise für Nahrungsmittel und Rohstoffe negativ beeinflusst wurden und so ein Indikator für die weitere Inflationsentwicklung in den nächsten Wochen sein werden. In den USA stehen Arbeitsmarktzahlen und erste Schätzungen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das erste Quartal 2022 im Fokus. Die US-Notenbank FED wird am Mittwoch die Leitzinsentscheidung veröffentlichen. Hier wird erstmal seit Jahren mit einem Zinsschritt von +0,5% gerechnet. Die Markterwartungen an die Höhe der US-Leitzinsen (Fed Funds Rate) zum Jahresende 2022 wurden in der letzten Woche von 2,5% auf nahezu 3,0% nach oben geschraubt. Damit wächst auch die Furcht, dass die FED die Wirtschaft in eine Rezession treiben könnte. In dieser Woche gibt es also viel Potential für höhere Schwankungen an den internationalen Kapitalmärkten – in beide Richtungen.

Einzelheiten können Sie in unserem ausführlichen aktuellen Marktfocus nachlesen. Diesen finden Sie hier auf unserer Homepage.

Wichtige Hinweise

Marketingmitteilung

Diese Publikation ist eine Marketingmitteilung der Oldenburgische Landesbank AG (OLB) im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes.

Kein Angebot, keine Beratung

Diese Information enthält kein Angebot zum Erwerb oder zur Zeichnung der darin genannten Wertpapiere und zum Abschluss der darin genannten Wertpapierdienstleistung und auch keine Einladung zu einem solchen Angebot. Die geäußerten Meinungen geben unsere aktuelle Einschätzung wieder, die sich auch ohne vorherige Bekanntmachung ändern kann. Diese Information kann eine auf die individuellen Verhältnisse des Anlegers und seine Anlageziele abgestellte Beratung nicht ersetzen.

Adressat

Die hier wiedergegebenen Informationen und Wertungen ("Information") sind ausschließlich für Kunden, die Ihren Sitz in der Bundesrepublik Deutschland haben, bestimmt. Insbesondere ist diese Information nicht für Kunden und andere Personen mit Sitz oder Wohnsitz in Großbritannien, den USA, in Kanada, Asien oder in der Schweiz bestimmt und darf nicht an diese Personen weitergegeben werden oder in diese Länder eingeführt oder dort verbreitet werden. Dieses Dokument einschließlich der darin wiedergegebenen Informationen dürfen im Ausland nur in Einklang mit den dort geltenden Rechtsvorschriften verwendet werden. Personen, die in den Besitz dieser Information gelangen, haben sich über die dort geltenden Rechtsvorschriften zu informieren und diese zu befolgen. 

Keine Gewährleistung

Die Informationen wurden sorgfältig recherchiert und beruhen auf Quellen, die die Oldenburgische Landesbank AG als zuverlässig ansieht. Die Informationen sind aber möglicherweise bei Zugang nicht mehr aktuell und können überholt sein. Auch kann nicht sichergestellt werden, dass die Informationen richtig und vollständig sind. Die Oldenburgische Landesbank AG übernimmt für den Inhalt der Information deshalb keine Haftung.