OLB-Marktfocus

Ausgabe vom 21. Januar 2021

Erste Eindrücke des neuen Jahres

Was bringt uns das neue Jahr? Alle, so auch wir, machen sich natürlich Gedanken und haben schlaflose Nächte. Was dürfen wir träumen?

Das Jahr begann sofort mit einem Paukenschlag in den USA. Die Demokraten gewannen in Georgia beide noch zu vergebenden Senatssitze. Das hatten wir nicht erwartet. Joe Biden kann nun als Präsident durchregieren, da er nun sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus über eine knappe Mehrheit verfügt. Wir nennen das „blue sweep“, denn blau ist die Farbe der Demokraten Bidens. Das erleichtert einiges für Joe Biden, denn er kann so z. B. seine grüne Umweltagenda leichter durchsetzen, dem Pariser Klimaabkommen und der WHO wieder beitreten und Ausgabenprogramme zur finanziellen Unterstützung der Menschen und Unternehmen starten. 1.900.000.000.000 (1,9 Bill. US-Dollar des „American Rescue Plan“) sollen es zunächst sein, wobei jeder US-Bürger einen 2.000 USD-Scheck erhalten soll. Viele Menschen hungern inzwischen, selbst in den USA. Zusätzlich hat Joe Biden ein Infrastrukturprogramm namens „Build Back Better“ in noch nicht bekanntem Volumen in Aussicht gestellt.

Ganz oben auf der Biden-Agenda steht zunächst die schnelle, zielgerichtete und entschlossene Bekämpfung des Corona-Virus an – und zwar nicht mit Desinfektionsmitteln wie sein Vorgänger einst vorschlug. Statistiken zur Corona-Pandemie weisen für die Vereinigten Staaten fast 25 Millionen Infektionen und über 400.000 Verstorbene aus. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie lassen sich sehr gut an der Beschäftigungslage ablesen, wonach weiterhin knapp 10 Millionen Menschen weniger in Lohn und Brot stehen als vor einem Jahr. Daneben gilt die amerikanische Gesellschaft als so gespalten wie selten zuvor (u. a. „Black lives matter“) – wohl auch deshalb war die Amtseinführungszeremonie mit „America United“ überschrieben.

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Im Gegensatz zur Erstürmung des Kapitols am 06. Januar 2021 durch Trump-Fanatiker verlief die Amtsübergabe am 20. Januar („inauguration“) friedlich und ruhig (Bild links: Bloomberg, 20.01.2021). Gott sei Dank. Lady Gaga mit goldenem Mikro und Jennifer Lopez sorgten für „Lady Power“, Glamour und Stimmung im Rahmen des Erlaubten. Bidens Rede war versöhnlich, auf Vereinigung, Heilung und Kompromiss ausgerichtet. Dem unzivilen Bürgerkrieg („uncivil war“) sagte er den Kampf an. Er will die „zerstrittenen Staaten“ von Amerika „versöhnen“, wieder zu den Vereinigten Staaten machen, so wie wir sie von früher kennen. Es ist ein bisschen wie Barack Obama reloaded. Und kann er es schaffen? Eine Mammutaufgabe: Aber ja, wir glauben es: „Yes he can!“

Vieles dürfte mit Biden zudem berechenbarer und konstruktiver ablaufen, so unsere Hoffnung. Nicht das alles ab morgen gut würde, denn früher oder später dürfte Biden z. B. die Unternehmenssteuern wieder erhöhen, die Trump zuvor gesenkt hatte. Das war übrigens einer von Trumps wenigen „good jobs“. Und auch das Verhältnis zu China wird vorerst sehr angespannt bleiben. Denn es geht um nicht weniger als die globale Macht und wirtschaftliche Führerschaft, insbesondere im Technologiebereich.

Aber der Ton macht die Musik und da kommt Joe Biden sehr verbindlich rüber. Er ist als Ex-Senator und Vizepräsident unter Barack Obama ein Vollblutpolitiker und weiß sich auszudrücken und zu beherrschen. Dies ist vielleicht sogar der wichtigste Unterschied zu seinem Vorgänger, der eher „Alternative Fakten“ und „Amerika First“ als aggressive Leitmotive in den Vordergrund stellte. Zudem hat Biden mit der 56-jährigen Kamala Harris eine forsche Vizepräsidentin, die für neuen Schwung sorgen könnte. Sie ist ein Lichtblick neben „sleepy Joe“ und stellt u. E. die Zukunft der Demokratischen Partei dar. Vertrauen in die Zukunft ist der Schlüssel zum Erfolg – und Vertrauen und Verbindlichkeit mag die Börse.

Unterstützung erhalten die Erwartungen der Anleger ebenso durch die künftige Finanzministerin, Janet Yellen. Im Rahmen ihrer Nominierungs-Anhörung vor dem US-Senat am 19. Januar 2021 unterstrich die frühere US-Notenbank-Vorsitzende (2014 - 2018), dass es genau jetzt das Klügste sei, groß zu handeln. „The smartest thing we can do is: ACT BIG”, so Yellens Wortwahl. Der amtierende Notenbankvorsitzende Jerome Powell, dessen Geldpolitik von Trump gerne schon mal als "idiotisch" bezeichnet wurde, hatte bereits kürzlich eine anhaltend ultra-expansive geldpolitische Ausrichtung der Notenbank FED signalisiert. Die Chancen stehen also gut, dass ab jetzt Fiskal- und Geldpolitik wieder in Eintracht geführt werden. Ein Momentum, das u. E. nicht zu unterschätzen ist!

Zurück ins Leben! Neue Impfstoffe ante portas.

Die neuerlichen Verlängerungen und Verschärfungen der Lockdowns in vielen europäischen Ländern werfen unweigerlich einen Schatten auf unsere Erwartungen, doch der Blick geht über den Lockdown hinweg. Was lässt uns positiv bleiben?

Noch vor Ende Januar könnte die US-Firma Johnson & Johnson erste Wirksamkeitsdaten eines neuen Impfstoffes aus einer Phase-III-Studie vorlegen. Eine US-Notfallzulassung wäre dann in der zweiten Februarhälfte oder Anfang März 2021 möglich. Das Besondere an diesem Vakzin: Es könnte im Unterschied zu den anderen nach nur einer Dosis einen hohen Schutz bieten. Das wäre ein großer Vorteil angesichts knapper Kapazitäten in den Impfzentren. In Großbritannien und weiteren Ländern bereits zugelassen ist der Impfstoff von AstraZeneca. Bis Ende Januar will auch die EU einen Entscheid fällen. Im Mai könnte dann das US-Unternehmen Novavax folgen. Es hat die Phase-II/III-Studie in den USA zwar erst im Dezember gestartet, könnte aber schon bald Daten aus anderen Studien vorlegen, darunter aus einer Phase III in Großbritannien. Was die Produktionskapazität anbelangt, sind die drei genannten Gesellschaften Schwergewichte. Johnson & Johnson hat schon früh von 1 Mrd. Dosen versprochen, AstraZeneca und Novavax haben in den vergangenen Wochen ihr Produktionsziel bis Ende 2021 von jeweils einer auf drei und zwei Mrd. Dosen angehoben. Allein mit dem AstraZeneca-Impfstoff könnten so 20% der Weltbevölkerung geimpft werden. Eine Dosis soll weniger als vier US-Dollar kosten. Im Vergleich dazu verrechnen BioNTech und Pfizer mit 20 und Moderna mit 32 bis 37 US-Dollar pro Dosis deutlich mehr.

Wir bleiben also zuversichtlich hinsichtlich der Impfstoffentwicklung, obschon das Risiko von Mutationen allgegenwärtig ist. Dennoch werden u. E. Impfstoffe im Laufe des Jahres Corona in Schach halten und vielen neue Hoffnung geben. Auf diese Chance setzt der Markt.

Stimmung: Fonds äußerst „bullish“ eingestellt

Unter den Fondsmanagern bleibt die Stimmung äußerst zuversichtlich („bullish“). Das geht aus der jüngsten globalen Fondsmanagerumfrage der Bank of America hervor. So erwarten 90% der Umfrageteilnehmer einen weltweiten realwirtschaftlichen Aufschwung. Dies ist der dritthöchste gemessene Wert seit Beginn der Umfrage im Oktober 1994. Zudem erwarten 87% der Fondsmanager über die kommenden zwölf Monate ein globales Gewinnwachstum. Die Kassenquote der Fonds sank folglich auf niedrige 3,9%. Allerdings steht die Coronakrise weiterhin im Fokus der Umfrageteilnehmer. So nannten 30% Rückschläge bei den angelaufenen Impfkampagnen als größtes Marktrisiko.

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(Quelle: "Finanz und Wirtschaft", 15.01.2021)

Die gute Stimmung an sich werten wir natürlich als sehr positiv. Jedoch deutet sie auf eine gewisse Übertreibung hin. Insbesondere Werte aus dem Wasserstoff- und Lithiumsektor oder auch beim Bitcoin sind bewertungstechnisch kaum noch zu greifen. Auch Technologiewerte deuten teils auf Überbewertungen hin. Hier würden wir aber bei temporären Rücksetzern wieder zugreifen. Innovationen wie 5G oder Video-Streaming werden zur Basistechnologie und dauerhaft bleiben. Datensicherheit ist Grundvoraussetzung für jegliches digitales Handeln. Als relativ günstig sehen wir derzeit Werte aus zyklischen Sektoren wie Konsum, Chemie oder auch den Rohstoffsektor an. Ein Comeback feiern gerade auch die US-Bankwerte, die von leicht steigenden US-Zinsen profitieren. Dividendenstark sehen wir deutsche Versicherungskonzerne.

Im Grunde läuft an der Börse alles nach Plan: Der konjunkturelle Aufschwung wird an den Börsen vorweggenommen. Viele Indizes erklimmen gerade neue Höchstkurse und auch der DAX zeigt sich nahe der psychologisch wichtigen 14.000 Punkte-Marke konstruktiv. Wir sehen aus heutiger Sicht den DAX unter Schwankungen am Jahresende in Richtung 15.000 Punkte streben. Der konjunkturzyklische Charakter des DAX (Chemie, Autos, Maschinenbau), das Vertrauen in die Impfstoffentwicklung und eine versöhnliche Annäherungspolitik Joe Bidens, eine gute Dividendenrendite und reichlich Liquidität bei niedrigen Zinsen sollten insgesamt eine gute Stütze sein.

Unser Rat: Dabei sein!

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